Liebe Mitglieder, liebe Freunde und Förderer von Mabuhay!
Am 30. im September kam das DOH zur visuellen Inspektion unseres vom Hilfswerk der deutschen Zahnärzte (HDZ) finanzierten Labors. Sie waren sehr zufrieden und meinten, es sei ein „schönes Labor“. Wir freuten uns sehr über das Kompliment und hätten die offizielle Urkunde nur zu gerne in Empfang genommen, wenn nicht am 8. November Haiyan, oder wie der Taifun hier genannt wird, „Yolanda“, über uns hergefallen wäre. Das verzögerte die Zustellung der Urkunde.
Eigentlich wollte ich ja in diesem Brief etwas über unsere beiden Praktikanten schreiben. Das ist nun nur eingeschränkt möglich, da Alex Wizieck am 3. Oktober überraschend und ohne ein Wort zu sagen abgereist ist. Er war zu jung, um hier eine missionarische Tätigkeit auszuführen und wollte auch eher im schulischen Bereich tätig werden, als im Gesundheitsbereich. Theresa Ross war bis zum 5. November bei uns und half, wo es nur ging. Sie sortierte unsere Patientenkartei neu, half in der Klinik, gab Schwimmunterricht und unterstützte unsere beiden Jungs bei den Gartenarbeiten.
Neben der Klinik erhielt sie Einsicht in unsere vielfältigen Programme wie das Ernährungsprogramm und die Zahnstation.
Unser Ernährungsprogramm ist das ganze Jahr über fortlaufend und wird vom Deutschen Club in Manila unterstützt. Leider ist Unterernährung hier immer noch ein großes Thema, und viele der kranken Kinder, die wir täglich sehen, befinden sich in einem stark reduzierten Ernährungszustand und daher empfänglich für Krankheiten. Die Kinder werden entwurmt, bekommen Vitaminpräparate und jede warme Mahlzeit.
Am 8. November wurden wir, wie bereits erwähnt, von Supertaifun „Yolanda“, international als Haiyan bekannt, heimgesucht. Es war der stärkste Taifun weltweit im Jahr 2013. Wir flogen bei den hohen Windgeschwindigkeiten (über 250 km/h) fast weg, und so könnt Ihr/Sie sich sicher vorstellen, wie es den Menschen hier in den Bambus-Hütten ging. 50 Personen wurden zu uns evakuiert, da sie Sorge hatten ihnen fliegt das Dach weg und ihr Haus wird zerstört. Sr. Veronica und ich machten mehrere Runden mit dem Auto, um die Schäden zu sichten und um Leute zu uns zu bringen. Einige Wege waren durch umgestürzte Bäume fast unpassierbar, Stromleitungen lagen am Boden und Hausdachteile flogen auf die Straßen. Der Strom fiel aus. Zum Glück gab es hier keine Personenschäden. Die Leute hatten unvorstellbare Angst. Ihre größte Sorge waren ihre Tiere, die sie zurückließen, und die Sachen im Haus, da eine solche Situation leider oft von Dieben ausgenutzt wird. Gefolgt von starken Windböen kamen heftige Regenfälle auf uns zu, die die Farm und die Hütten unter Wasser setzten. Viele unserer Bananenpflanzen und Papayabäume fielen um, und die Früchte waren verloren. Die Reisfelder wurden zerstört und die Ernte vernichtet. Es war eher ein „ Monstertaifun“. Wir halfen, wo es ging. Bauten Hütten wieder auf, verteilten Reis, Konserven und andere Hilfsgüter wie z.B. Kerzen und gaben dringend benötigte Medikamente aus. Als die Situation hier bei uns im Griff war, wurden wir von unserem Bischof angefragt, auch über unseren Standort hinaus zu helfen. Wir koordinierten uns mit dem Social-Action-Büro der Diözese von Catarman. Wir unternahmen drei Fahrten mit unseren Freiwilligen in schwer betroffene Gebiete, brachten Hilfsgüter und Nahrungsmittel mit und führten medizinische Missionen durch. 700 Patienten pro Tag waren der Schnitt. Viele Patienten hatten Wunden, die sie erlitten hatten, als sie sich irgendwo festhielten, um dem starken Wind und dem Wasser standzuhalten. In einigen Gebieten, v. a. in der Nähe von Tacloban, wurde der Taifun von einer Sturmflut gefolgt. Die Bilder werden wir nie vergessen. Live dort zu sein ist noch mal anders als die Bilder im Fernsehen zu sehen. Zerstörung überall, wie nach einer Bombe, nur fehlten die Krater. Tote am Wegrand, oft nur notdürftig zugedeckt. Überall Hilferufe nach Essen und Medikamenten. Die Augen der Betroffenen leer, hoffnungslos oder gesenkt. Viele hatten wirklich alles verloren. Auch die Natur glich einer Wüstenlandschaft. Die Kokospalmen, die hier fast als Wahrzeichen der Insel gelten, wurden zerstört und damit auch der Lebensunterhalt vieler Menschen hier, da sie von der Kokosernte leben. Es wird lange dauern, bis sich die Palmen vom Sturm erholen.
Danke allen auch noch mal auf diesem Weg, die an uns gedacht haben, als der Taifun rund um den Globus in den Nachrichten gemeldet wurde. Wir erhielten Anrufe aus Deutschland, Australien, Neuseeland, Brasilien, Argentinien, Nepal, den USA und weiteren Ländern. Sie/Ihr wart alle bei uns. Auch während des Transports dieses Briefs ist noch kein Strom vorhanden. Daher konnten wir uns auch nur vereinzelt melden. Diesel wurde knapp in vielen Gebieten, auch im Trinkwasser und in den Nahrungsmitteln. Wirklich in jeder Beziehung ein Ausnahmezustand. Unsere Hilfe für die Betroffenen hält an und es ist noch viel zu tun.
Evakuation Station
Bilder aus Bugko
Unsere Freiwilligen helfen beim Packen der Hilfsgüter und Medikamente
Verteilung der Hilfsgüter an die Taifunopfer
Nun noch die letzte Neuigkeit. Während Sie/Ihr diesen Brief erhalten, ist eine große Hilfslieferung aus Deutschland auf dem Weg zu uns. Sie kommt aus Bayern, aus dem Landkreis Kronach, aus Wallenfels und Steinwiesen. Mit P. Robert Jauch, OFM als Vermittler, werden aus einer Caritaspflegeeinrichtung Gebrauchsgegenstände in einem Container zu uns geschickt. Bernhard Müller und Uwe Franz, als Hauptverantwortliche, packten die Gegenstände eigenhändig in den Container.
Dies ist der erste Containertransport, den wir erhalten haben. Entsprechend umfangreich war der Schriftverkehr mit der Zollbehörde in Manila. Gott sei Dank kam uns ein Freund zu Hilfe, so dass wir nicht selbst in Manila vorstellig werden mussten. Die Hilfsmittel werden wir in der Klinik und in der zukünftig geplanten Entbindungsstation einsetzen. Sobald der Transport Bugko erreicht hat, werde ich mehr darüber schreiben.
Wieder geht ein Jahr zu Ende und das Ende war wirklich mehr als turbulent und in jeder Beziehung erschütternd. Ich Ihnen/Euch Allen erneut ganz herzlich Danken, auch im Namen aller Bugkoano, denn ohne die vielen helfenden Hände und die finanzielle Unterstützung wäre es nicht möglich ein solches Programm hier durchzuführen und aufrechtzuerhalten. Besonders in der Krise haben wir so sehr gemerkt, wie sehr Sie/Ihr uns verbunden seid und wie sehr wir auf Sie/Euch zählen können. In allem Elend war es eine wunderbare Erfahrung der Hilfe und der Verbundenheit.
Und so bin ich mit den besten Wünschen für eine frohe Adventzeit und ein gesegnetes Weihnachtsfest Ihre/ Eure
Sabine Korth
Malipayon nga Pasko (Frohe Weihnachten) aus Bugko!