Die Reise ist zu Ende, doch die Erinnerung an viele erschütternde, aber auch schöne Erlebnisse ist wach. Deshalb wollen wir von drei Wochen auf den Philippinen erzählen und Euch ein wenig daran teilhaben lassen.
Nach einem angenehmen Flug mit KLM sind wir in Manila angekommen und wurden freudestrahlend von Sabine und Sr. Veronica begrüßt! Nach einem Mittagessen in einem kleinen Restaurant, zu dem uns Mr. Lee – ihr kennt ihn aus den Berichten – eingeladen hatte, ging es zur ersten Stadtbesichtigung, den Intramuros, dem alten spanischen Stadtteil. Dort wird sehr eindrucksvoll die Hinrichtung des letzten Widerstandskämpfers Dr. Jose Rizal dokumentiert, weiter sahen wir das Fort Santiago im 16.Jahrhundert als Militärbasis erbaut und noch gut erhalten .Es wird oft als Open-Air-Theater genutzt. Eine Fahrt mit der Pferdekutsche beendete die Besichtigung der Kathedrale, der Festungsmauern und der Palazzi. Wir sahen auch die historische Bamboo-Orgel (die einzige auf der Welt) in Las Piñas, die übrigens von Johannes Klais aus Bonn 1972 restauriert wurde.
Am nächsten Tag flogen wir weiter zu unserem eigentlichen Reiseziel nach Catarman und kamen nach einer etwas abenteuerlichen Autofahrt in Bugko an. Dort wurden wir von Manay Caring (der Schwester von Sr. Veronica) und Vilma, einer Freiwilligen mit Blumenkränzen und einem extra für uns aufgestellten Begrüßungsplakat, empfangen.
Am nächsten Abend lernten wir dann die anderen Volunteers kennen, die ein typisches Fest mit philippinischen Tänzen vorbereitet hatten. In dieser fröhlichen und herzlichen Atmosphäre fühlten wir uns sofort wohl und angekommen!
Der 1. Arbeitstag in der Ambulanz zeigte uns dann, mit welchen erschreckenden Krankheiten Sabine und Sr. Veronica jeden Tag konfrontiert werden: offene Ekzeme an den Beinen, Tumore unklarer Genese, Parkinson seit 2 Jahren unbehandelt (die Patientin kam zum 1. Mal in die Klinik), Husten und Fieber. Da waren die orthopädischen Leiden noch das geringste Problem, die der German Doctor so erfolgreich behandelte, dass am nächsten Tag alle Familienmitglieder mit ähnlichen Erkrankungen vorstellig wurden. Erstaunlich war für uns, mit welcher Geduld und Gelassenheit die Patienten warteten und dankbar für die Hilfe waren.
Um mit Jean de la Bruyere zu sprechen: „Es bereitet Freude, in die Augen des Menschen zu blicken, dem man gerade gegeben (hier: geholfen) hat.
Den Ablauf der Sprechstunde hat Sabine im Übrigen genauso organisiert wie wir es hier in Deutschland kennen, für jeden Patienten wird eine Krankenakte angelegt, in welcher die Untersuchungsergebnisse und Medikamente jeweils eingetragen werden. So ist der Krankheitsverlauf genau zu verfolgen.
Bei einem Rundgang durch das Dorf haben wir auch die Dankbarkeit der Menschen erlebt. Ein Lächeln, ein freundliches Winken, werden mit strahlenden Augen erwidert.
In den Hütten selbst herrschen für uns unvorstellbare Zustände, so schlafen z.B. die Eltern mit 7 Kindern in einem Raum (geschätzt 2,5x3m)auf dem nackten Boden! Alles ist sauber und den Räumlichkeiten entsprechend sogar aufgeräumt .Wir waren auch bei einer Essenszubereitung für Kinder des Ernährungsprogramms dabei. Eine Mutter kocht auf einer Feuerstelle aus Steinen für 10 Kinder eine Mahlzeit. Die Kinder warten geduldig, bis das Essen auf dem Teller ist, und dann konnten wir sehen, wie es ihnen schmeckte! Sabine stellt für jede Familie eine Wochenration Lebensmittel zusammen und eine der Freiwilligen ist immer in der Hütte, in der gerade gekocht wird, um sicherzustellen, dass die Kinder auch wirklich zu essen bekommen!
Diese Freiwilligen, junge Frauen und Männer, unterstützen Sabine sehr engagiert auch bei anderen Aktivitäten, so z.B. bei der Zahnprophylaxe. Mit sehr viel Einfühlungsvermögen setzen sie, das von Herrn Dr.de Cassan Gelernte, um.
Im Krankenhaus von Cartarman haben wir uns nur gewünscht, möglichst schnell wieder“ rauszukommen“. Vor dem Betreten des Operationssaales wurden wir aufgefordert, die Schuhe auszuziehen, eine Katze lief aber ungehindert herum! Die Krankenzimmer waren nur notdürftig ausgestattet, also eine Liege und ein kleines Tischchen. Alles andere muss von den Angehörigen mitgebracht werden. Von den Ärzten wurden wir sehr freundlich empfangen; für ein Gespräch ließen sie alles stehen und liegen. Auch hier konnten wir die Anerkennung für Sabine spüren.
Anerkennung haben wir auch in einem für uns sehr bewegenden Augenblick erfahren. Während einer Feier zum 35.Bestehen der Diözese Nord-Samar, zu der uns der Bischof eingeladen hatte, wurde Sabine und Sr. Veronica offiziell eine Urkunde für ihre Arbeit in Bugko überreicht!
Immer wieder wurde uns während unseres Aufenthalts in Bugko bewusst, wie wichtig und sinnvoll die Arbeit und Anwesenheit unserer Tochter dort sind. Sehr glücklich waren wir auch, Patrick kennenzulernen.
Er kam zur Blutzuckerkontrolle. Leider war er noch nicht richtig eingestellt, was aber sofort korrigiert wurde, in Rücksprache mit dem Internisten in Catarman. Aufgrund des Diabetes hat er eine Neuropathie entwickelt mit Beeinträchtigung des Bewegungsapparates. Aber dieser kleine Kerl, er ist wirklich klein für sein Alter (12 Jahre), hat so einen starken Willen, dass wir auch hier Hoffnung auf eine Besserung haben. Im April kommt er noch mal für 4 Wochen zu Sabine und mit Schulanfang im Mai geht er ins Internat zu den Brüdern einer ital. Ordensgemeinschaft. Wir haben während der Diözesanfeier seinen persönlichen Betreuer, einen jungen Pater, kennen gelernt und wissen ihn in guten Händen! Am liebsten hätten wir ihn mit nach Hause genommen!
Nach diesen doch oft erschütternden Erlebnissen war der Aufenthalt in Bohol, einer anderen Insel, sehr erholsam. Sabine hatte alles fürsorglich für uns geplant. Ein Fahrt zu den Chocolate Hills (über 1200 gleichförmige Hügel, die wegen der Sonneneinstrahlung braun verfärbt sind, führte uns auch zu den kleinsten Affen der Welt, Tarzier, das Größte an ihnen sind die Augen! Eine Schiffstour auf dem Loboc River mit Lunch und Musik zu den Wasserfällen gefiel uns besonders gut. Die Besichtigung der alten Kirche Baclayon Church, von Jesuiten im 16.Jahrhundert erbaut, das Denkmal „Bloodcontact“(zeigt die Verbrüderung von Spanien und den Philippinen) war sehr interessant. Auch wenn wir schon um 5 Uhr aufstehen mussten, war die Bootsfahrt zu den Delphinen ein Erlebnis, das wir nicht auslassen wollten.
Zusammenfassend sind wir glücklich und froh, endlich diese Reise gemacht zu haben. Es war sehr wichtig, einmal alles mit eigenen Augen zu sehen. Wir sind stolz auf unsere Tochter! Und dankbar für die Hilfe, die sie von Sr. Veronica, den Ärzten am Ort ,den Freiwilligen und vielen anderen bekommt. Es ist auch eine Beruhigung zu wissen, dass sie nicht alleine ist.