Bugko, April 2020

 

 

 

 

 

Liebe Mitglieder, liebe Freunde und Förderer von Mabuhay!

 

 

 

 

 

Wie schon in den vergangenen Jahren war ich im Dezember kurz in Deutschland, um in der Mitgliederversammlung wieder ausführlich über die Aktivitäten, Neuerungen und Pläne in unserem Projekt in Bugko zu berichten. Wieder konnten wir den schön geschmückten Saal im Haus Elisabeth mit Freunden und Mitgliedern füllen. Es war schön,Viele von Euch /Ihnen zu sehen und zu sprechen. Viel Besorgnis rief Taifun Tisoy auf, der die Klinik am 2. Dezember getroffen hat.

 

 

 

 

Bei meiner Rückkehr am 30. Dezember waren die Auswirkungen der Taifune noch überall sichtbar. Nach Taifun Tisoy folgte am Weihnachtsabend nämlich Taifun Ursula. Die Aufräum- und Reparaturarbeiten zogen sich bis in den April hinein, da es immer wieder heftig regnete und das Wetter äußerst unstabil war. Danken möchte ich Allen, die uns wieder spontan unterstützt haben, so dass wir auch noch den Menschen in unserer Umgebung helfen konnten, die aus eigener Anstrengung ihre Häuser nicht aufbauen konnten. Die Bilder von den Aufbauarbeiten werde ich im nächsten Rundbrief zeigen. Die nicht geringen Klinikschäden wurden dankbarer Weise vom Hilfswerk der Deutschen Zahnärzte mit Hilfe von Herrn Dr. Winter getragen. Dr. Winter und das Hilfswerk stehen uns schon seit Jahren zur Seite vor Allem wenn mal wieder eine Katastrophe über uns fällt. Leider ist das Gebiet ja immer wieder v.a. von Taifunen betroffen, doch dieses Mal hatte es auch in der Klinik viel Schaden gegeben. Dächer mussten erneuert werden, Zwischendecken ausgetauscht werden, ein neuer Anstrich und vielfältige Schäden an den Gebäuden in der Farm und Heilpflanzen Gebäude mussten gerichtet werden.

 

 

Die Nachrichten im Januar drehten sich hier fast nur um den bevorstehenden Ausbruch des Taal Vulkans in der Nähe von Manila. Es gab viele Erdbeben in der Region und ein Ausbruch wurde jederzeit befürchtet. Es wurde eine 14 km Freizone errichtet und viele Menschen mussten wochenlang in Evakuierungscenter. Gott sei Dank beruhigte sich die Situation und der Ausbruch fand nicht statt und die Menschen konnten zurück in ihre Häuser. Der Ascheregen beschäftigte noch lange die Aufräumarbeiten.

 

Am 11. Januar kamen Amy Seidel und Yvonne Plückebaum, zwei „frisch gebackene“ Zahnärztinnen, von der Uni Hannover zu uns. Schnell sprach es sich herum, dass die Zahnstation in Mabuhay wieder besetzt ist und viele Patienten kamen. Beide Zahnärzte lebten sich schnell ein und machten sich mit den Behandlungsstühlen vertraut. Neben den Behandlungen gaben sie unseren Freiwilligen noch Tips in der Prophylaxebehandlung der Patienten. Viele Zähne konnten gerettet werden. Zu unserer Freude fragen immer mehr Patienten nach zahnerhaltenden Therapien und Zahnreinigungen. Am 9. Februar verließen uns Amy und Yvonne, um noch etwas die Philippinen zu erkunden.

 

 

Direkt danach kamen Hanni Stieber, Hannah Wilhelm (Beide von der Universität in Würzburg) und Ida Brattinga (Universität Köln) und übernahmen die Zahnstation.

 

 

 

 

Am 22. Februar kam Dr. Angel Wright vom Team ISM (International Surgical Missions) erneut zu uns, um die ambulanten Operationen durchzuführen und die größeren Eingriffe für die Operationen in Biri zu screenen. (Biri ist eine vorgelagerte Insel, und im dortigen Distrikt Krankenhaus werden die Operationen in Narkose durchgeführt wie Leistenhernien, Schilddrüsen, Myome oder Tumoroperationen). Sie kam mit 3 Tagen Verspätung an, da immer wieder die Flüge von Clark zu uns wegen schlechtem Wetter gestrichen wurden. Leider kamen dieses Jahr daher auch wesentlich weniger Patienten zum Operieren, da das Wetter einfach zu unbeständig war. Dr. Wright blieb 3 Tage bei uns und am 2. März operierte vom selben Team noch Dr. Praveen hier und seine Frau untersuchte kardiologische Patienten. Leider mussten sie am darauffolgenden Tag schon wieder zurück in die USA fliegen.

 

 

Vom 26. Februar- 2. März kam erneut Dr. Klaus De Cassan vom Hilfswerk der deutschen Zahnärzte (HDZ) zu uns, um die Freiwilligen in dem Fluor-Prophylaxe-Programm nachzuschulen und Fragen zu beantworten. Es kam zu einem regen Austausch. Am Nachmittag kamen einige Kinder aus dem Fluor-Prophylaxe Programm und das gelernte wurde praktisch umgesetzt. Dr. de Cassan war erfreut, so gute Ergebnisse nach den vielen Jahren der Prophylaxebehandlung vorzufinden. Die Prophylaxe-Maßnahmen über die Jahre zeigen nun Erfolge zum Wohl der Kinder.

 

 

Am 5. März kamen zum 5. Mal Zahnarzt Dr. Lindner und seine Frau Evelyn aus Bad Krötzting zu uns. Gefolgt von den Studenten der Zahnmedizin Parnia Aghel und Hali Godhanin (beide von der Uni Giessen) und Lea Graute und Sophie Wjinands (beide von der Uni Münster). Unter der Aufsicht von Dr. Lindner arbeiteten die Studenten in der Zahnstation. Leider kamen weniger Patienten als erwartet, da seid März der Corona Virus die Welt komplett im Griff hat, so auch die Philippinen. Trotzdem konnten die Studenten viel von dem in der Uni gelernten nun in die Praxis umsetzen. Die Patienten freuten sich ein so großes Zahnarzt Team in Mabuhay zu sehen und fühlten sich in sicheren Händen. Leider mussten sie ihren Einsatz vorzeitig abbrechen, doch dazu später.

 

 

Seit Mitte März spitzte sich die Situation um den Ausbruch des novel Coronavirus (2019-nCoV) und die damit einhergehende weltweite Krise und vor allem der Angst der Bevölkerung sich zu infizieren. Schon nach kurzer Zeit waren selbst in Catarman keine Gesichtsmasken und Alkohol mehr zu bekommen. Am 15. März wurde Manila mehr oder weniger abgeriegelt. Luft-Land-und Seeverkehr wurden stark eingeschränkt, um der Weiterverbreitung des Virus Einhalt zu gebieten. Die Bevölkerung wurde aufgerufen möglichst zu Hause zu bleiben und sich häufig die Hände zu waschen. Selbst in unserer Provinz, die bis zum 15. März Corona Virus frei war wurden die Passagiere geprüft und registriert, um im Falle eines Ausbruchs den Virusträger ausfindig zu machen und die Mitreisenden zu überwachen. Auch wurden alle Rückkehrer aus Manila und anderen Orten für 14 Tage täglich auf Symptome überprüft.

 

 

 

 

Ab dem 18. März wurde unser Dorf unter Quarantäne gestellt und pro Haushalt bekam eine Person einen Pass, so dass diese Person die Einkäufe für den Haushalt erledigen durfte. Personen ab 63 Jahre und Kinder durften gar nicht mehr auf die Straße. Die Ereignisse überschlugen sich nun fast. Schulen, Kirchen und Geschäfte wurden geschlossen. Am 24. März konnten Dr. Lindner, seine Frau und die Studenten mit Hilfe des hiesigen Tourismus Department nach Tacloban und von dort weiter nach Manila reisen. Zu der Zeit gab es schon keine Inlandflüge mehr. Am 28. März hatten sie die Möglichkeit nach Deutschland zu fliegen in einem durch die Bundesregierung organisierten Flug. Wir waren Alle sehr traurig über den plötzlichen Aufbruch, aber zum Einen war es die letzte Möglichkeit der Ausreise bis auf Weiteres, zum Anderen kamen nur noch wenige Patienten, da überall in den Städten nun Ausgangssperren verhängt wurden und die Bewohner nur noch im Notfall oder zu unbedingten Besorgungen ihre Stadt oder Dorf verlassen durften. In den Supermarkt dürfen nur 5 Personen zur gleichen Zeit. An allen Kontrollpunkten, bewacht von Polizei oder Militär, wurden die Personen registriert, Temperatur gemessen und auch die Telefonnummern notiert, so dass sie im Falle eines Kontaktes mit einer positiven Person sofort kontaktiert und isoliert werden können. Die Kontrollen sind sehr viel strenger als in Deutschland, aber in diesem Land mit über 100 Millionen Einwohnern können die Zahlen von Corona Virusinfizierten sehr schnell explodieren. Zum Zeitpunkt meines Rundbriefes gab es in den Philippinen erst etwas über 100 Tote und in unserer Provinz in Nord- Samar nur einen positiven Fall, der die Infektion aber gut überstanden hat. Der Schwachpunkt sind bisher die geringen Testmöglichkeiten. Von Nord Samar aus müssen die Tests nach Cebu, mit Hilfe der Küstenwache, geschickt werden. Ein weiteres Problem sind die Schutzausrüstungen vor allem für die am meisten gefährdeten Personen (Ärzte, Krankenschwestern, Laboranten, usw.), wie Mundschutz, Gesichtsschild und Sicherheitskleidung. Wir in der Klinik sind Gott sei Dank gut ausgestattet und konnten sogar noch Anderen helfen. Die Klinik ist weiter offen und jeden Tag kommen ein paar Patienten. Wie gesagt, ist es für die Patienten schwierig nach hier zu kommen, wegen der vielen Kontrollen. Unsere Freiwilligen stehen uns weiter zur Seite und arbeiten in den verschiedenen Bereichen. Auch das Ernährungsprogramm, unterstützt vom Deutschen Club in Manila, für im Moment 75 Kinder, läuft weiter, da es in dieser Situation wichtiger denn je ist. Ich hoffe Sie/ Ihr erahnt, wie die Situation im Moment hier ist.

 

 

Abflug unseres Zahnärzte Teams von Tacloban

 

 

Durch die Situation bedingt mussten meine Eltern ihre geplante Reise nach hier leider absagen. Ein Wehmutstropfen! Aber das Wichtigste im Moment ist, dass Alle gesund bleiben und das wünsche ich Ihnen / Euch Allen.

 

 

 

Seit kurzem verteilt die Regierung einige Nahrungsmittel an die Bevölkerung, wie Reis und Sardinen in Dosen. Manchmal auch Seife, Mundschutz und Desinfektionsmittel. Wie lange das reicht ist die Frage, da es noch unklar ist, wie lange die Quarantäne-Maßnahmen aufrechterhalten bleiben. Viele Menschen haben auch, genau wie in Deutschland, im Moment keine Arbeit und damit kein Einkommen, um ihre Familie zu ernähren.

 

 

 

Es liegen aufregende Monate hinter uns, wie Ihr/ Sie an der Länge des Berichtes sehen könnt, und so danke ich für Ihre/ Eure vielfältige Hilfe und Ihr/Euer Gedenken an uns hier. BLEIBT BITTE ALLE GESUND!

 

Und so grüße ich Euch / Sie in herzlicher Verbundenheit und wünsche allen trotz Allem oder gerade wegen dem Ganzen eine gesegnete Osterzeit.

 

 

 

Eure / Ihre

 

 

 

Sabine Korth

 

 

 

 

 

Salamat ( Danke) aus Bugko!