M a b u h a y

 

heißt auf deutsch „Herzlich willkommen!“ Und wer läßt sich nicht gerne mit diesen Worten begrüßen! MABUHAY ist nicht nur ein Name, sondern es ist das Programm des „St. Franziskus Gesundheitszentrums“ (kurz auch „Klinik“ genannt) in Bugko, einem Dorf der Stadt Mondragon auf der Insel Samar (Provinz Nord Samar), die zu den größten Inseln der Philippinen gehört.

 

Sabine Korth sagt:

„MABUHAY – Herzlich willkommen!

 

 

 

 

 

Im Juli/August 2019 wollte ich meinen Jahresurlaub in MABUHAY verbringen. Ende der 1990er Jahre war Sabine Korth als Pilgerin mit mir im Heiligen Land unterwegs. Die gelernte Kranken-schwester hatte damals schon kühne Ideen für die Zukunft. Über die Kontakte zu den Olper Franziskanerinnen diente sie später an einer Schule des Ordens auf den Philippinen. Dort lernte Sabine die Ordensschwester Veronika kennen.

 

 

 

Die Kinder der Volontäre gehören dazu...

 

 

 

Sr. Veronica und Sabine bei Tisch...

 

Sr. Veronika kommt gebürtig aus Bugko, und als sie den Orden verließ, weil sie die Karriere als Lehrerin gegen den Dienst an den Kranken und den Kindern austauschen wollte, da fanden sich Sabine und Veronika vor inzwischen über 12 Jahren in einer gemeinsamen Idee zusammen. Die sel. Maria Theresia Bonzel, Gründerin der Olper Franzis-kanerinnen, blieb für MABUHAY Ideengeberin und Schutzpatronin in der Nachfolge des hl. Franziskus von Assisi. An verschiedenen Stellen im Haus ist ihr Bild zu sehen und ihr apostolischer und karitativer Eifer im Dienst an den Kranken und Kindern regelrecht bis heute zu spüren. Die „Sisters“ von MABUHAY gehören nun seit Jahren als feste Institution zu Bugko und zum noch jungen Bistum von Catarman, das mit Bischof Dr. theol. Emmanuel Trance erst den zweiten Hirten in seiner noch jungen Geschichte zählt. In der Dorfkirche, die, obwohl noch im Bau befindlich, bereits stolz den Namen des hl. Franziskus von Assisi trägt, sind die „Sisters“ nebenbei so etwas wie Gemeindereferentinnen, Katechetinnen, Kommunionhelferinnen usw. In der gut besuchten Sonntagsmesse morgens um 7 Uhr haben die „Sisters“ ihren Platz vorne in den ersten Bänken. Ehrfurcht und fromme Ergebenheit prägen nicht nur in dieser armen Gegend das Verhältnis der Gemeindemitglieder zu allen Dienern der Kirche, angefangen vom Bischof über die Priester bis zu den Ordensfrauen, zu denen auch die „Sisters“ von MABUHAY gehören, zumal Sr. Veronika noch so etwas wie die geistliche Assistentin des Dritten Ordens des hl. Franziskus in dieser Region ist.

 

 

 

 

 

 

Klarissen von Catarman… drei Schwestern sind zur medizinischen Untersuchung in Manila.

 

 

 

 

 

Bei der Begrüßung kamen vor allem die Kinder auf mich zu, nahmen meine Hand und führten sie zu ihrer Stirn, ein ehrfürchtiger Gestus, der nicht mir persönlich, sondern dem Mann der Kirche gilt. Sollten die Kinder diese Form der Begrüßung einmal vergessen, werden sie von ihren Müttern ange-halten, sie nachzuholen. Das alles geschieht in großer Selbstverständlichkeit und m. E. völlig ungekünstelt.

 

 

Ansicht von der Straße aus

 

 

 

Bugko ist ein armes Dorf. Die Straße an MABUHAY vorbei trägt offiziell die Bezeichnung „Highway“, aber nach unseren Maßstäben in Deutschland wäre an dieser Landstraße ohne Randbe-festigung eher ein Warnschild angezeigt: „Achtung: fehlende Fahrbahnmar-kierung“. Die direkt an dieser Straße gelegene Klinik, die zwar Montag und Dienstag sowie Donnerstag und Freitag um 8 Uhr öffnet, wird von den Patienten teilweise schon um 5 Uhr belagert. Erwartungsfroh tummeln sich die von teils sehr weit (eine Stunde Fahrentfernung ist nicht selten) angereisten Hilfesuchenden vor dem Tor. Michael und Domingo, zwei im Gelände wohnende Volontäre haben vor der Öffnung des Tors den Platz gefegt und die zwei Straßenbarrieren auf dem „Highway“ aufgestellt, damit Vorbeifahrende ihr Tempo drosseln müssen, eine wichtige Schutzmaßnahme für die Ein- und Ausgehenden. Fortbewegungsmittel Nummer 1 nicht nur auf der Insel Samar ist das Tricycle, ein philippinisches Taxi, dem in Form- und Farbgebung keine Grenzen gesetzt zu sein scheinen. In der Stadt Catarman sind das Fahrräder mit Beifahrersitz, im Überlandverkehr Motorräder und Mopeds mit den abstrusesten An- und Aufbauten. Wer die sehr einfachen Behausungen der Einheimischen sieht, fragt gar nicht erst nach dem Besitz von PKWs. Junge Burschen setzen alles daran, ein wenn auch gebrauchtes Moped ihr Eigen nennen zu dürfen, mit dem im Extremfall aber auch drei oder vier Mitfahrende gleichzeitig transportiert werden. Die Hahnenkämpfe, wie die Stierkämpfe in Spanien, zählen bei den großen Fiestas zu den Hauptattraktionen, und Heere von Motorrädern rund um die Arenen zeugen davon, wie junge Leute sich gerne von A nach B bewegen, schlimmstenfalls ohne Helm auf dem Kopf und ohne Beleuchtung am Fahrzeug, was auf stockfinsteren Straßen nachts richtig gefährlich werden kann.

 

 

 

Mit Begleitung auf Besuch im Dorf. Das Mädchen griff nach meiner linken Hand, um mir auf diese schöne Art zu sagen: Ich zeig Dir jetzt mal unser Zuhause.

 

 

 

 

Was um alles in der Welt sucht MABUHAY in Bugko? Wie kann man nur auf den Gedanken kommen, sich in dieser von Erdbeben, Taifunstürmen und sintflutartigen Regengüssen ständig gefährdeten Gegend freiwillig niederzulassen? Stromversorgung ist nicht lückenlos zu haben, und wer Strom dringend braucht wie etwa eine Klinik mit Labor, Röntgengerät, Zahnarztpraxis und sogar einem kleinen OP-Saal, der muß einen leistungsstarken dieselbetriebenen Stromgenerator haben, den einzuschalten jederzeit in völliger Dunkelheit möglich sein muß. Stromausfall, hier „Brown out“ genannt, kann jede Nacht passieren, und das auch mehrmals hintereinander. Warum also MABUHAY hier? – Zum ersten ist es hier immer herrlich grün.

 

 

Malerische Flora

 

 

 

Kokospalmen, Bananenstauden, Mango-bäume, Ananaspflanzen, Avocado- und Papayabäume, wunderschöne Fächer-palmen, stets saftige Wiesen, auf denen hier und da ein Wasserbüffel grast, all das hat mit dem nahen pazifischen Ozean durchaus etwas von Paradies an sich. Natur pur, noch nicht angefressen von touristischen Eventparks und Bettenburgen. Gelegentlich sind villenartige Gebäude zu sehen, deren Besitzer ihr Geld meist im Ausland verdienen und sich in der Heimat solche Häuser leisten können. Die Wohnhütten der Einheimischen, mit Holz und Bastmatten auf dem Dach und an den Seiten befestigt, trotzen den manchmal heftigen Regenstürmen und stehen in ungeordneter Reihe an Wegen, die auf die Hauptstraße führen, oder isoliert mitten im Grünen. MABUHAY umfaßt inzwischen insgesamt 3 ha. Auf dem Gelände entstanden nach und nach mit der Klinik und der Wohnung der „Sisters“ im ersten Stock sowie einer Kapelle im zweiten Stock weitere Gebäude: die Zahnklinik mit einer Kantine im Erdgeschoß, das medizinische Labor mit Röntgen- und OP-Raum, ein Versammlungsraum, der zu einer größeren Kapelle umgestaltet werden kann und in dessen Nebenraum das Medikamentenlager untergebracht ist, darüber zwei komfortable Gästezimmer mit Naßzelle, ein großzügiger Veranstaltungsraum für die Senioren, der noch einer angemessenen Klimatechnik harrt und in dem ich mit 50/60 Senioren einen unterhaltsamen Bingo-Nachmittag verbringen durfte, ein Schwimmbad, um möglichst vielen Kindern das Schwimmen beibringen zu können, ein gerade entstehender Kinderspielplatz mit Spielgeräten, ein Unterstand und Toiletten, eine Waschküche, ein Hühner- und ein Schweinestall, ein Gebäude mit eigenem großen Garten für das Kräuterprogramm, ein Grillplatz am Ufer des Flusses, der das Gelände auf der unteren Seite abschließt; schließlich ein paar kleine Häuser/Hütten für Volontäre, ohne die die Arbeit auf diesem Gelände von der Kokosernte bis zur Maisaussaat nicht zu bewältigen wäre. Herzstück ist aber die Klinik. MABUHAY im Geiste des hl. Franziskus ist im tiefsten Inneren ein Lob der Schöpfung Gottes, ein Ja zur uns Menschen geschenkten Natur und eine einzige Zuwendung zum Bruder, zur Schwester. Die franziskanische Selige Maria Theresia Bonzel hatte ihr besonderes Interesse den Kranken und den Kleinen zugewandt. Und so soll das hier auch sein.

 

 

das Kernstück in MABUHAY: die Praxis

 

 

MABUHAY ist für viele Menschen ein Ort, an dem sie sich willkommen fühlen dürfen, mit ihren großen und kleinen Wehwehchen, mit ihren Ängsten vor schwerwiegenderen Diagnosen, egal, ob sie Geld haben oder eben nicht. In MABUHAY muß keiner erst einmal Geld auf den Tisch legen, bevor Sabine Korth ihnen zuhört und sie untersucht. Bei den Ärzten in der Stadt ist die „Begrüssungsgebühr“ obligatorisch. Volontäre helfen gerade auch hier in der Klinik. Ohne die würde es nicht laufen. Sabine Korth hat mit dem sie und ihre Arbeit unterstützenden Verein in Bonn (www.mabuhay-ev.de) abgesprochen, daß die Volontäre wenigstens ein monatliches Taschengeld bekommen, und hier sind sie dankbar für die umgerechnet 20 Euro, die sie erhalten. Die „Apothekerin“ gibt Medikamente aus, in selbst geklebten Tüten aus noch brauchbarem Altpapier. Die Urin- und Blutuntersuchungen im benachbarten Labor offenbaren schnell, ob am Verdacht einer Harnwegsentzündung etwas dran ist oder ob das Fieber wirklich Folge der Übertragung durch die gefürchteten Dengue-Fliegen ist. Gewichtskontrolle und Blutdruckmessung im Eingangsbereich. Die Röntgenbilder zeigen Sabines inzwischen geschultem Auge, wenn ein Tuberkuloseverdacht zur ernsten Gewissheit wird. Ein Facharzt in Catarman stellt die endgültigen Diagnosen. Die Patienten zur regelmäßigen Einnahme der Antibiotika zu ermuntern oder auch zu ermahnen, das ist die Aufgabe von Sabine Korth, die sich in der Kommunikation mit den Patienten einer Nachbarin von MABUHAY bedient, die des englischen mächtig ist. Wenn Sabine eine Reihe Redewendungen auch schon in der Sprache der Einheimischen beherrscht, die dolmetschende Volontärin ist mit Sr. Veronika unerläßliches Bindeglied von der Anamnese über die Diagnose zur Therapie. Patientenakten zeichnen nachhaltig auf, ob der Patient den Anweisungen, z. B. in abgesprochenem Zeitabstand wieder vorstellig zu werden, auch Folge leistet. Manchmal wird alle Willkommensfreundlichkeit, die in der Klinik den Hilfesuchenden entgegengebracht wird, nicht umgesetzt in die Bereitschaft, die Ratschläge anzunehmen und umzusetzen. Die Harnwegskranken brauchen nicht nur Antibiotika, sondern müssen regelmäßig und mehr trinken.

 

 

 

Gefiltertes, gesundes Wasser ist auch da.

 

 

 

Die Diabetiker (zu meiner Überraschung oft eine Folge des enormen Reiskonsums bei der einheimischen Bevölkerung) bekommen Merkblätter, worauf sie bei der Ernährung achten sollten. Was tun, wenn sie es nicht tun, Anweisungen nicht befolgen oder sich wochen- und monatelang nicht mehr in MABUHAY blicken lassen, aus welchen Gründen auch immer? Aber davon kann sicher auch mancher Arzt in Deutschland Klagelieder singen. Sabine Korth kann dann schon einmal sauer reagieren, enttäuscht darüber, daß ihr Rat nicht befolgt wird. Und doch wird der nächste Patient wieder mit einem fröhlichen „MABUHAY!“ begrüßt und weiß sich angenommen und in seiner Not verstanden. Mir scheint immer deutlicher, daß die Atmosphäre zwischen Klinikpersonal und Patienten wesentlich ist für einen Behandlungserfolg. Was nützten die beste Therapie und die teuersten Medikamente, wenn sie nicht möglichst unkompliziert die Hilfesuchenden erreichen würden. Jeder, der kommt, wird wertgeschätzt als Bruder und Schwester, und so wirkt der Namenspatron des „St.-Franziskus-Gesundheitszentrums“ bis in den Klinikalltag hinein. Die Volontäre sind begeistert mit von der Partie.

 

 

 

Ungelernte Hilfskraft

 

 

 

Junge Leute, die sonst keine Arbeit finden würden, Frauen, deren Männer den ganzen Tag irgendwo im Einsatz sind, Studenten in der Warteposition für einen Studienplatz in der UEP (= „University of Eastern Philippines“) in Catarman: ganz unterschiedliche Freiwillige finden sich Tag für Tag ein, um hilfreich zur Hand zu gehen. Das warme Mittagessen, das sie angeboten bekommen und gemeinsam einnehmen, ist wertvoll, aber als Lohn für die Mitarbeit kann es allein nicht gelten.

 

Volontäre am Mittagstisch

 

Die Gemeinschaft der Volontäre hält die geschwisterliche Atmosphäre eher zusammen. Mehr als einmal nahmen die Volontäre an der Eucharistiefeier in MABUHAY teil. Am letzten Freitag meines Aufenthalts in MABUHAY war eine Party fällig, bei reichlichem Essen, Musik und Tanz mit Kind und Kegel. Da offenbaren die einheimischen, was an Feierfreude und Rhythmusgefühl in ihnen steckt.

 

 

 

 

 

Jukebox für Karaoke

 

 

Sabine Korth bezeichnete die An-schaffung der Karaoke-Jukebox als eine der besten Investitionen für MABUHAY. Mancher Volontär offenbart ungeniert in der Gruppe sein Gesangs- und Tanztalent. Auch der Volontär tanzt mit, der seinerzeit mit einem Beinstumpf ohne Fuß in MABUHAY auftauchte, bis ihm die „Sisters“ eine Prothese anfertigen ließen, die es ihm heute erlaubt, sich, lediglich gestützt auf einen Gehstock; fortzubewegen. Seine Behinderung ist für andere quasi nicht mehr sichtbar. „Der schönste Lohn für unser Engagement“, flüstert Sabine mir bei der Fete zu, als wir diesen Volontär mit den anderen zusammen tanzen sehen.

 

 

Sabine und ihre Dolmetscherin

 

 

Wie könnte man das Wirken der beiden Initiatorinnen in wenigen Worten beschreiben? Wenn der hl. Bruder Immerfroh aus Assisi der Patron von MABUHAY ist, dann möchte man mit Franziskus unwillkürlich das Loblied der Schöpfung, den sogenannten Sonnen-gesang, anstimmen, das große Lob auf Gottes Schöpfung, die hier grünt und blüht, pfeift und zirpt, knistert und plätschert. Und das Lob auf die Brüder und Schwestern, die, mit welchen Leiden auch immer nach MABUHAY kommen, denn sie sind alle Ebenbilder Gottes und bei aller Gebrechlichkeit unsterbliche Seelen in Gottes Geist.

 

 

 

 

 

 

 

 

P. Robert Jauch OFM