Ankunft auf dem Mabuhay Gelände
Unsere Famulatur auf den Philippinen begann mit der Ankunft in Catarman. Bereits auf der Fahrt nach Bugko erhielten wir durch Sister Sabine einen umfassenden Einblick in die gesundheitliche Versorgung der Region sowie in das Miteinander vor Ort, wie das Transportsystem funktioniert und wo wir einkaufen können. Auf dem Mabuhay-Gelände angekommen, wurden wir herzlich von Sister Veronica empfangen. Sie führte uns über das weitläufige Gelände, das neben der Zahn-/ medizinischen Versorgung auch zahlreiche soziale und gemeinschaftliche Angebote umfasst. Dazu gehören unter anderem landwirtschaftlich genutzte Flächen, Gemüse- und Obstgärten, ein Flusszugang („Mabuhay Beach Resort“), ein Seniorenprogramm sowie die Robert-LeeHall, ein überdachter Basketballplatz mit Spiel- und Freizeitmöglichkeiten. Auch ein Pool, in dem Kinder schwimmen lernten, gehört zur Anlage. Besonders beeindruckend war die medizinische Infrastruktur: Neben einem Labor, einer Apotheke und einem Röntgenraum gibt es eine allgemeinmedizinische Einrichtung sowie eine gut ausgestattete zahnmedizinische Praxis, in der wir die kommenden Wochen arbeiten durften. Der Alltag war geprägt von gemeinschaftlichen Mahlzeiten, mittags und abends wurde gemeinsam gegessen. Dabei konnten wir dank Elsa viele lokale Spezialitäten wie Pancit Canton oder Sayote kennenlernen.
Arbeit in der Zahnklinik
Unser Arbeitsplatz für die nächsten vier Wochen war die zahnmedizinische Klinik auf dem Gelände. Die Ausstattung der beiden Behandlungseinheiten war überraschend gut und wurde durch hinterlassene Arbeitskleidung früherer Famulanten ergänzt. Zu Beginn erklärten uns Mirna (Rezeption) und Birgit (Assistenz und Übersetzerin) die Abläufe: Die Patientinnen und Patienten kommen mit konkreten Wünschen oder Beschwerden und entscheiden selbst über die Behandlung. Auch wenn mehrere EingriƯe zahnmedizinisch notwendig wären, wird nur das durchgeführt, was gewünscht ist, stets begleitet von Aufklärung durch uns. Die Kommunikation erfolgte oft einfach und direkt, beispielsweise durch die Frage „Masu-hol?“ („Hast du Schmerzen?“), die die Patienten durch Zeigen auf betroƯene Bereiche beantworteten. Mithilfe eines mobilen Röntgengeräts konnten wir bei Bedarf Zahnaufnahmen erstellen. Pro Tag behandelten wir etwa 7 bis 15 Patientinnen und Patienten. Das Behandlungsspektrum reichte von Kontrolluntersuchungen und Zahnreinigungen über Füllungen (insbesondere im Frontzahnbereich) bis hin zu Extraktionen, häufig von stark zerstörten Zähnen oder Wurzelresten. AuƯällig war, dass bereits Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren mit stark geschädigten ersten Molaren vorstellig wurden. Ab der zweiten Woche wurden wir von Michael, einem erfahrenen Oralchirurgen, unterstützt. Durch seine Anleitung konnten wir auch komplexere EingriƯe durchführen, darunter operative Weisheitszahnentfernungen. Diese Erfahrung war fachlich besonders wertvoll und stärkte unser Selbstvertrauen im Umgang mit anspruchsvollen Fällen. Auch Wurzelkanalbehandlungen boten wir an, vor allem im Frontzahnbereich. Allerdings entschieden sich viele Patientinnen und Patienten aus Kostengründen eher für eine Extraktion. Wenn Nachsorgetermine, beispielsweise zur Nahtentfernung, erforderlich waren, konnten wir uns auf die Zuverlässigkeit der Patienten verlassen. Besonders hervorzuheben ist das herzliche Verhältnis zu den Menschen vor Ort. Häufig wurden wir nach Behandlungen umarmt oder um ein gemeinsames Foto gebeten, ein Ausdruck großer Dankbarkeit, der uns berührt hat.
Freizeit und kulturelle Erfahrungen
Neben der klinischen Tätigkeit blieb ausreichend Zeit, die Region Northern Samar zu erkunden. Besonders gefiel uns der Langtaram-Beach in Catarman sowie der lokale Strand in Bugko. Ein besonderes Highlight waren Einladungen zu Geburtstagsfeiern, zu denen wir Sister Sabine und Sister Veronica begleiten durften. Dort konnten wir bei Tanz, Musik und traditionellem Essen die philippinische Kultur und Gastfreundschaft hautnah erleben. Während unseres Aufenthalts fand zudem ein Festival in San Roque statt, das mit Streetfood, Wettbewerben und kulturellen Veranstaltungen beeindruckte. Besonders der „Cultural Dance Evening“, bei dem die Geschichte der Region durch Tanz und Gesang dargestellt wurde, war ein einzigartiges Erlebnis. Auch Ausflüge an den Wochenenden, etwa zur Insel San Antonio oder zum Caba Beach, boten abwechslungsreiche Erlebnisse. Ob Rollerfahren über die Insel, Zeit mit einheimischen Kindern oder Surfen in der Bucht, diese Momente waren eine wunderschöne Ergänzung zur Famulatur und haben uns die Möglichkeit gegeben, die Insel weiter kennenzulernen.
Unterkunft und Alltag
Unsere Unterkunft befand sich direkt auf dem Mabuhay-Gelände, in unmittelbarer Nähe zur Zahnklinik. Sie war funktional und komfortabel mit Kühlschrank, Wasserspender und klimatisierten Schlafzimmern ausgestattet. Ein kleiner Kiosk gegenüber versorgte uns mit allem Nötigen für den Alltag. Auch die Freizeit auf dem Gelände selbst kam nicht zu kurz: Pool, Sportmöglichkeiten und Gemeinschaftsspiele sorgten dafür, dass es auch an ruhigeren Tagen nie langweilig wurde. Die Abende ließen wir fast immer bei uns auf dem Balkon ausklingen. Teilweise zu dritt, teilweise mit der Gruppe von Michael und Sister Sabine und Veronica zusammen.
Fazit
Die Famulatur in Bugko war eine außergewöhnliche Erfahrung, bei der wir, durch die Nähe zu der einheimischen Bevölkerung, einen Einblick in deren Kultur bekommen konnten, die uns ohne dieses Projekt niemals möglich gewesen wäre. Die Kombination aus eigenverantwortlichem Arbeiten, der Unterstützung durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen sowie die tiefe Einbindung in die lokale Gemeinschaft machten diese Zeit einzigartig. Besonders gerührt waren wir von der Herzlichkeit der Menschen, der Dankbarkeit der Patientinnen und Patienten und der Möglichkeit, einen direkten Beitrag zur zahnmedizinischen Versorgung zu leisten. Diese Famulatur hat nicht nur unsere klinischen Fähigkeiten erweitert, sondern auch unseren Blick auf globale Gesundheitsversorgung nachhaltig verändert.